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Haus von Anita

24,70

Boris Lurie

 

Originalsprache: Englisch
2021, Hardcover, 298 Seiten
Wallstein
978-3-8353-3887-6

 

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Zum ersten Mal auf Deutsch: Der Roman von Boris Lurie verbindet die Gewalt der KZs mit der zerstörerischen Energie der Kulturindustrie. Radikal und provokant wie kein Autor zuvor.

Bobby ist in New York regelmäßig zu Gast – oder sollte man besser sagen: gefangen? – im »Haus von Anita« und lässt sich dort zusammen mit drei weiteren Männern von den Gebieterinnen des Hauses zur sexuellen Befriedigung quälen und misshandeln. Was auf der Oberfläche wie ein pornographischer S/M-Roman wirkt, ist auf einer anderen Ebene die provokante Darstellung der Nazigräuel.

Ruth Klüger hat in der detailgenauen Darstellung der Lager die Gefahr einer »Pornographie des Todes« gesehen. Wie ein auf die Spitze getriebener Beweis ihrer provokanten These liest sich dieser Text, an dem Boris Lurie mehr als 40 Jahre arbeitete. Auch er war ein Überlebender der Shoah und er war Mitbegründer der NO!art-Bewegung, die sich vor allem gegen die Pop Art und eine selbstgefällige Konsumgesellschaft wendet.

Die industrielle Zerstörung der Körper in den Lagern wird hier bis zur Unerträglichkeit mit ihrer kulturindustriellen Vernutzung durch Konsum, Kommerz und Pornographie verschränkt.

 

Lurie verarbeitet in diesem Buch nicht nur seine Erfahrung der KZs, sondern fragt auch mit schockierender Eindringlichkeit nach der Bedeutung der Kunst nach der Shoah. Eine Lektüre, die erlitten und nicht genossen werden will.

 

Boris Lurie, geb. 1924 in Leningrad, gestorben 2008 in New York, war bildender Künstler und Autor. Als Mitbegründer der NO!art-Bewegung schuf er provokante und mitunter extreme Collagen, Skulpturen und Texte, in denen er die Ermordung der Juden in den Kontext von Werbung, Politik und Pornographie stellte. So verarbeitete er seine eigene Erfahrung der Lager, die er zusammen mit seinem Vater überlebte.
Seine Werke wurden in den USA und in Deutschland in mehreren Ausstellungen gezeigt, zuletzt 2016 unter dem Titel »Keine Kompromisse« im Jüdischen Museum in Berlin und 2017 in Nürnberg.

 

Pressestimmen

»Nicht nur eine radikale Auseinandersetzung mit der Schoa, sondern auch eine Anklage gegen den Antisemitismus im bürgerlichen Korsett und das Wegsehen.«
Kevin Hanschke, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.07.2021

 

»Ob der Ich-Erzähler dieses ebenso eindrucksvollen wie verstörenden Romans seine Identität wiederfindet, sollte man besser selbst lesen.«
Oliver Pfohlmann, SWR2 lesenswert Kritik, 04.06.2021

 

»So schwierig die Lektüre ist, so lohnend ist sie.«
Matthias Reichelt, Jungle World, 24.06.2021

 

»Wie schwer es ist, eine Sprache zu finden, die dem Lager gerecht wird, hat auch Primo Levi bemerkt. (…) In einem solchen Kontext ist Lurie einzuordnen.«
Jens Uthoff, taz am wochenende, 15./16.05.2021

 

»›Haus von Anita‹ ist ein singuläres Werk. Man legt dieses Buch immer wieder erschrocken, bisweilen auch angewidert zur Seite und kann sich seinem Bann doch nicht entziehen.«
Sebastian Fasthuber, Falter, 12.05.2021

 

»provokanter Roman, dessen groteske Bestrafungsfantasien einer kafkaesken Traumlogik folgen«
Dr. Oliver Pfohlmann, Landsruter Zeitung, 24.07.2021

 

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